Dark Patterns - so nutzen Unternehmen deine Klickgewohnheiten

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Dark Patterns sind manipulative Design-Praktiken, mit denen Unternehmen dich in deinem Klickverhalten oder in deinen Kaufentscheidungen beeinflussen. Es sind Tricks, die für dich als User im Nachteil enden. Dark Patterns führen die Nutzer in die Irre. Sie gelten als unethisch, werden aber von vielen Unternehmen eingesetzt. Erfahre jetzt, welche Dark Patterns es gibt und wie du sie erkennst.

Auf einen Blick

  • Dark Patterns sind Tricks, die dich bei deinen Online-Aktivitäten dazu verleiten, Dinge zu tun, die du eigentlich nicht möchtest.
  • Dark Patterns werden von vielen Unternehmen eingesetzt.
  • Dark Patterns sind irreführend, unethisch und oft auch ungesetzlich.
  • Das beste Mittel gegen Dark Patterns ist Wissen.
Dark Patterns: Ein Mann, auf den ein Labyrinth projiziert wird
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Gutes Design, schlechtes Design

Sagen wir so: Es gibt gutes Design und schlechtes Design. Und dann gibt es auch noch absichtlich schlechtes Design, das böse Absichten hat. 

Gutes Design :-) geht so: Wenn du eine Webseite oder eine App benutzt, dann freust du dich, wenn sie einfach zu bedienen ist und du schnell findest, was du suchst. Das spart Zeit und Nerven und führt dazu, dass du einer Webseite oder einem Produkt treu bleibst. Das wissen auch die Unternehmen und stecken viel Geld in eine nutzerfreundliche Oberfläche. Sie investieren in die so genannte User Experience (UX). UX-Design ist heute ein wichtiger Industriezweig. Jedes digitale Unternehmen, das dauerhaft Kunden binden möchte, kommt nicht darum herum, sich um seine Bedienfreundlichkeit Gedanken zu machen. 

Schlechtes Design :-( sieht so aus: Bei einem schlechten Design brauchst du viele Klicks und viel Zeit, um an die Informationen zu kommen, die du eigentlich möchtest. Wahrscheinlich brichst du ab oder kommst nicht wieder.

Dark Patterns – du tust, was du nicht willst

Ein Dark Pattern ist ein irreführendes Interface-Design, das meistens in eine ansonsten recht nutzerfreundliche Umgebung eingebettet ist. Das Ziel eines Dark-Pattern-Designs ist, dich zu manipulieren. Es ist ein Trick.

Das Ziel von Dark Patterns ist, dich zu manipulieren.

Ein Beispiel: Stell dir vor, du möchtest bei einem großen Fluganbieter einen günstigen Flug kaufen. Am Ende des Buchungsprozesses wird dir eine Reiserücktrittsversicherung angeboten, die du gar nicht möchtest – vielleicht, weil Du schon versichert bist. Ein Button „Nein, danke“ ist nicht in Sicht. Stattdessen nur ein Drop-Down-Menü, bei dem du das Land auswählen kannst, in dem du deinen Wohnsitz hast. Du kommst zu der Überzeugung, dass du den gewünschten Flug nur in Kombination mit der Versicherung kaufen kannst, und wählst „Deutschland“ aus. Was du nicht weißt: Unter dem Länderbuchstaben „K“ hätte es auch die Option „Keine Versicherung gewünscht“ gegeben. 

Dark Patterns gibt es überall

Das Beispiel klingt verrückt? Ist aber so oder so ähnlich geschehen.  Dark Patterns sind kein Einzelfallproblem. Sie sind gängige Praxis auf Social Media-Plattformen, im Online-Banking, bei Online-Händlern, in Betriebssystemen von Computern und Smartphones oder bei Reise- oder Mobilfunkanbietern. Und sie werden nicht nur von kleinen schwarzen Schafen eingesetzt. Amazon, Apple, Booking, Ikea, Ryanair, H&M, Mediamarkt – sie machen wie viele andere Unternehmen mit. 

Warum Dark Patterns funktionieren

Dark Patterns sind Täuschungen. Aber warum lassen wir uns in die Irre führen? Die Antwort auf diese Frage ist komplex. Zum einen nutzen wir alle viele unterschiedliche Apps und Webseiten auf unterschiedlichen Geräten. Dazu müssen wir viele Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen.

Weil wir die Zeit nicht haben, akzeptieren wir fragwürdige Praktiken.

Wenn wir bei jedem Klick eine informierte Entscheidung treffen wollen würden, säßen wir wahrscheinlich regelmäßig bis nachts um drei auf dem Sofa – vertieft in die AGBs der unterschiedlichen Anbieter. Weil wir die Zeit nicht haben, akzeptieren wir fragwürdige Praktiken, obwohl wir merken, dass es für uns als User besser laufen könnte. Wahrscheinlich hast du auch schon einmal „alle Cookies akzeptiert“, obwohl du das eigentlich gar nicht wolltest. 

Zum anderen nutzen bestimmte Techniken ganz gezielt aus, wie wir als Menschen wahrnehmen und reagieren. Schon in den 1950ern haben Kognitionsforscher und Verhaltensökonomen herausgefunden, dass wir, wenn wir von zu viel Informationen überflutet werden, am liebsten gar nicht entscheiden.  Will sagen: Ist die Auswahl bei den Cookie-Einstellungen sehr umfangreich, ist es menschlich und vorhersagbar, dass wir lieber gar keine Entscheidung treffen und mit den Voreinstellungen leben. 

Dark Patterns: Mehrere Wegweiser mit dem Ziel "Ottergrund" zeigen in unterschiedliche Richtungen und geben unterschiedliche Entfernungen an
Foto: ajknol/iStock

Typen von Dark Patterns

Es gibt viele unterschiedliche Dark Patterns. Die meisten kennst du wahrscheinlich schon, hast sie aber noch nicht unter dem Begriff „Dark Pattern“ abgespeichert. Hier ein paar Beispiele:

  • Simulierte Knappheit: Manche Anbieter simulieren Knappheit. Sie weisen dich daraufhin, dass ein bestimmtes Produkt nur begrenzt angeboten wird oder dass sich viele andere User das Produkt gerade auch ansehen. 
  • Verstecktes Abo: Informationen über ein Abonnement oder eine automatische Verlängerung werden so versteckt, dass du eine Leistung einkaufst, die du gar nicht möchtest. 
  • Voreinstellungen: Viele Webseiten, zum Beispiel, haben ihre Cookies so voreingestellt, dass sie für das Unternehmen per default (also in der Standardauswahl) den meisten Nutzen bringen. 
  • Irreführung: Der Button, der dich zur Zustimmung einlädt, ist groß und farbig markiert. Der Button, der dich zu den individuellen Einstellungen bringt oder Ablehnung bedeutet, ist schwerer wahrnehmbar.
  • Versteckte Werbung: Werbung wird nicht eindeutig als Werbung markiert oder ist nur sehr schwer zu erkennen. 
  • Falle: Bei manchen Anbietern ist das Anlegen eines Accounts ganz einfach. Das Löschen des Accounts dagegen deutlich komplizierter.
  • Trickfragen: Fragen sind so aufgebaut, dass sie dich absichtlich in die falsche Richtung lenken – zum Beispiel mit einer doppelten Verneinung.


Wenn du noch mehr wissen möchtest, dann findest du im Bericht der Stiftung Neue Verantwortung oder bei Darkpatterns.org weitere Typen von Dark Patterns.

Das bringen Dark Patterns den Unternehmen

Was Unternehmen davon haben, wenn sie ihre User manipulieren, ist klar: Sie verschaffen sich Wettbewerbsvorteile. Stell dir vor, du hast einen Onlineversandhandel für Kleidung. Für dein Geschäftsmodell ist es wichtig, dass Kunden wieder kommen und mehrfach kaufen. Wenn du nun deinen Checkout-Vorgang an der Kasse so gestaltest, dass der Nutzer glaubt, er müsse sich bei einem Kauf gleichzeitig für deinen wöchentlichen Newsletter anmelden, dann hast du viel gewonnen. Ein effektives Tool zur Kundenbindung, um genau zu sein. 

Dürfen die das?

Unternehmen müssen deine Gewohnheiten gut kennen. Sonst können sie sich am Markt nicht behaupten. Ob es rechtlich erlaubt ist, wenn Sie UX-Kenntnisse zum User-Nachteil einsetzen, ist eine Frage, die sich pauschal nicht ganz einfach beantworten lässt. Welches Dark Pattern ungesetzlich ist, welches eine rechtliche Grauzone trifft und welches rechtlich nach aktueller Rechtsprechung noch vertretbar ist, ist eine Frage, die nur fallweise entschieden werden kann. 

Dark Patterns: Eine Frau hält eine Hand vor ihr Auge, auf die ein zweites Auge gemalt ist
Foto: Sanne Berg/iStock

Hinzu kommt: Dark Patterns als Massenphänomen sind relativ neu. Ob die vorhandenen Gesetze ausreichen, um die User genug zu schützen, ist eine Frage, die die Gerichte, die Politik und Interessensverbände wie die Verbraucherzentrale aktuell diskutieren.

Zwischen Theorie und Praxis klafft eine dunkle Lücke

Sicher ist aber, dass die Gesetze, die wir schon haben, nicht ausreichend umgesetzt werden. Wenn Nutzer etwas kaufen, möchten sie das möglichst schnell und günstig tun. Unternehmen haben für ihr Handeln eine andere Motivation – sie wollen Gewinn machen. Das ist bekannt und auch nicht illegal. Bewusste Täuschung, Irreführung oder versteckte Werbung, zum Beispiel, sind in Deutschland dagegen nicht erlaubt. Wenn es um Dark Patterns geht, sind Kontrollen und Strafen aber eher lasch. Das hat in der Vergangenheit dazu geführt, dass Praxis und vorhandenes Gesetz auseinanderklaffen. 

Eine Stichprobe der Verbraucherzentrale Hessen im Sommer 2020 hat zum Beispiel gezeigt, dass von 20 großen Onlineshops die Hälfte die aktuelle Rechtssprechung des Bundesgerichtshofs zum Thema Cookie-Einstellungen missachtet. Darunter Apple, H&M und Mediamarkt. Mehr dazu erfährst du im Artikel Reingewilligt. Um mehr Verbrauchersicherheit zu schaffen, müssten Kontrolle und Rechtsdurchsetzung deutlich besser funktionieren. Bislang arbeiten die meisten Unternehmen frei nach dem Motto „Wo kein Kläger, da kein Richter“.

3 Tipps für den Alltag – So kannst du dich schützen

Auch wenn Gesetz und Politik aktiver werden müssen – du als Nutzer hast heute schon Möglichkeiten, Dark Patterns zu vermeiden. Wenn du unsere Tipps beim Surfen berücksichtigst, nutzt du das Netz auf jeden Fall wieder mehr in deinem Interesse – und weniger im kommerziellen Interesse großer Unternehmen.

  1. Bewusst entscheiden
    Vielleicht ist der Moment gekommen, um sich zumindest an einigen Stellen wieder etwas mehr Gedanken zu machen, was DU eigentlich möchtest. Das bedeutet, dass du dir etwas mehr Zeit nehmen musst, um deine Häkchen zu setzen. Damit meinen wir nicht, dass du bei jedem Onlineshop ein Telefonat mit der Rechtsabteilung führst. Aber vielleicht schaust du bei wichtigen Themen wie Onlinebanking, Versicherungen oder Vertragsabschlüssen (Stichwort Abos) etwas genauer hin. Durchforste alle Abos (auch Newsletter), die du abgeschlossen hast. Überlege dir, ob du sie möchtest und kündige alles, was dir unbewusst untergekommen ist.
  2. Informieren
    Die beste Taktik gegen fiese Tricks? WISSEN! Informiere dich regelmäßig über aktuelle Patterns oder Gerichtsurteile zum Thema. Kenne deine Rechte und fordere sie ein. Und auch wenn du die Rechtslage nicht genau durchschaust, sag selbstbewusst „Nein“, wenn ein Anbieter dich hinters Licht führen möchte. Übrigens: Der Twitterkanal Dark Patterns (https://twitter.com/darkpatterns?lang=en) hat es sich zur Aufgabe gemacht, unseriöse Design-Praktiken mit allen zu teilen.
  3. Melden
    Wenn du schlechte Erfahrungen mit Dark-Pattern-Designs gemacht hast, kannst du das mit anderen teilen. Zum Beispiel mit uns. Wenn du dich reingewilligt fühlst, schreib uns eine Mail an beschwerde@verbraucherzentrale-hessen.de. Dort gibt es keine Beratung, aber das Versprechen, dass wir uns deine Geschichte ansehen und bei unserer Arbeit aufnehmen.

[1] Stiftung Neue Verantwortung: Dark Patterns (PDF)

Dark Patterns melden!

Die Verbraucherzentralen sammeln Hinweise auf Dark Patterns. Hier kannst du melden, wenn dir ein manipulatives Design auffällt:

Manipulatives Design - "Dark Patterns"