News: Mit Algorithmen den Kartellen auf der Spur

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Algorithmen gegen Schienenkartell: Schienen im Vordergrund und ein ICE auf der Strecke
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Die Deutsche Bahn (DB) hat einen Algorithmus entwickelt, mit dem sie zukünftig Preisabsprachen von anderen Unternehmen erkennen und verhindern möchte. 

Das Unternehmen zählt zu den größten Einkäufern des Landes. Kaffeebecher, Kugelschreiber, Schienen – die Bahn kauft alles. Sie beauftragt jährlich 19.000 Lieferanten mit einem Auftragsvolumen über 30 Milliarden Euro.

Wo so viel Geld im Spiel ist, wundert es nicht, dass sich unter den Auftragnehmern auch einige schwarze Schafe tummeln. Die DB wurde in der Vergangenheit immer wieder Opfer von Kartellabsprachen. Lieferanten, die eigentlich im Wettbewerb zueinander stehen sollten, trafen illegale Absprachen untereinander. So konnten sie die Angebotspreise und den eigenen Gewinn in die Höhe treiben. Der Schienenausbau und die Schienensanierung werden in Deutschland weitestgehend vom Bund finanziert. Bedeutet: Bei unlauteren Preisabsprachen in diesem Bereich nimmt nicht nur die Bahn Schaden, sondern vor allen Dingen der Steuerzahler.

Das so genannte Schienenkartell ist einer der spektakulärsten Fälle von Preisabsprachen in Deutschland. Unternehmen wie Thyssen-Krupp, Vossloh und Voestalpine zahlten deshalb bereits Millionen Euro an die Bahn zurück.

Mit dem neuen Algorithmus soll so etwas zukünftig nicht mehr passieren. Laut Berichten der Süddeutschen Zeitung screent das neue Tool den gesamten Einkaufsprozess der DB und kann so Abweichungen erkennen. Ohne künstliche Intelligenz ist das nicht möglich – allein mit menschlichem Personal kann nur ein Bruchteil der vergebenen Aufträge auf Unregelmäßigkeiten geprüft werden. Preisabsprachen und Kartellbildung waren in der Vergangenheit auch deshalb ein lukratives Geschäft, weil die Wahrscheinlichkeit, dabei erwischt zu werden, vergleichsweise gering war. Mit dem neuen Algorithmus möchte die DB Kartelle nun entlarven, bevor sie überhaupt zum Zug kommen. 

Wie der Präsident des Kartellamts Andreas Mundt anmerkt, rüstet aber nicht nur die Bahn digital auf. Auch die Kartelle können lernende Algorithmen nutzen, um menschliche Preisabsprachen zu ersetzen. Das Aufdecken und Zerschlagen von Kartellen wird dadurch in Zukunft noch schwieriger.

[1] Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Bahn vom 14.12.2020