News: Social-Media-Algorithmus beeinflusst Demokratie

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Demonstration auf einer Straße, eine junge Frau reckt die Faust in den Himmel
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Im Bundestagswahlkampf 2021 setzten die Parteien stärker auf die sozialen Medien als zuvor. Ein aktueller Bericht der Süddeutschen Zeitung legt nahe: Der Algorithmus von Facebook, Instagram und Co. ist nicht neutral. Inhalte und Themen, die im Wahlkampf die Stimmung besonders anheizten, landeten im Feed der Nutzerinnen und Nutzer weiter oben.[1]

Im Interview mit der Publizistin Ingrid Brodnig wird deutlich: Wenn die sozialen Medien für den Wahlkampf eingesetzt werden, hat das Folgen für unsere Demokratie.[2]

Der Algorithmus, der die Inhalte sortiert und filtert, ist geheim. Expertinnen und Experten gehen jedoch davon aus, dass Posts, die besonders viele Likes und Clicks bekommen, profitieren. Sie erhalten mehr Reichweite, verbreiten sich schneller, manche von ihnen gehen sogar viral. Oder anders formuliert: Posts, die von vielen Userinnen und Usern besonders oft geklickt oder markiert werden, werden vom Algorithmus bevorzugt.

Populistische Medieninhalte polarisieren. Sie machen wütend, verärgern und verstärken Meinungsunterschiede. In den sozialen Medien erzeugen sie ein hohes Maß an Interaktion. Dank des Algorithmus verbreiten sich emotional aufgeladene Posts schneller weiter als sachliche politische Information. Das müsste aber nicht unbedingt so sein.

Die Aussagen der ehemaligen Facebook-Managerin und Whistleblowerin Frances Haugen im Oktober 2021 legen nah, dass die Interessen des Facebook-Konzerns in erster Linie wirtschaftlich sind. Haugen veröffentlichte über 10.000 firmeninterne Dokumente, wie verschiedene Medien berichten. [3] Sie sagte vor dem US-Kongress aus, dass Facebook seine Bestrebungen zu wachsen, im Zweifel auch auf Kosten der demokratischen Meinungsbildung vorantreibt. Laut Haugen reicht es nicht, einzelne Konten zu deaktivieren, die Hass oder Falschinformationen verbreiten. Die Möglichkeiten den Algorithmus zu verändern und polarisierende Inhalte weniger zu belohnen, würden von Unternehmensseite nicht konsequent umgesetzt.[4]

Quellen

[1] https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/politik/wahlkampf-wie-der-instagram-algorithmus-wirkt-e545670

[2] https://www.sueddeutsche.de/politik/instagram-facebook-wahlkampf-politik-parteien-social-media-ingrid-brodnig-datenanalyse-algorithmus-bundestagswahl-1.5410300

[3] https://www.zeit.de/digital/2021-10/facebook-papers-whistleblowerin-frances-haugen-dokumente-fake-news-us-kapitol-faqhttps://www.spiegel.de/netzwelt/web/frances-haugen-konzertierte-berichterstattung-setzt-facebook-unter-druck-a-d9514666-02c1-4b0d-bc31-34e340148ce7

[4] https://www.sueddeutsche.de/kultur/facebook-files-mark-zuckerberg-1.5448206