Check den Algorithmus! So nutzt du Vergleichsportale richtig

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Vergleichsportale wie Check24 oder Verivox wirken neutral und unabhängig. Das sind sie aber nicht. Der Datensatz ist begrenzt, der Algorithmus unbekannt, die Darstellung der Ergebnisse oft intransparent. Erfahre jetzt, worauf du bei der Nutzung von Vergleichsportalen unbedingt achten musst.

Auf einen Blick

  • Vergleichsportale arbeiten wie Makler. Bei einem Vertragsabschluss bekommen sie Geld.
  • Die meisten Vergleichsportale nehmen nur Angebote von Partnerunternehmen auf.
  • Wie die Ergebnislisten genau erstellt werden, halten die Unternehmen geheim.
  • Die Portale können einen Algorithmus so gestalten, dass er Angebote bevorzugt, die für das Portal mehr Geld einbringen.
Vergleichsportale und deren Algorithmen: Eine Frau hält einen roten und einen grünen Apfel in der Hand
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Viele User nutzen Vergleichsportale

Ob Hotelaufenthalt, Handytarif, Gasanbieter oder Versicherungsabschluss – wer heute online einen Vertrag abschließt, landet früher oder später bei einem Vergleichsportal wie Check 24 oder Verivox. 70 Prozent der Deutschen nutzen Vergleichsportale, um sich vor einer Kaufentscheidung zu informieren. 1

Sie versprechen sich von den Portalen einen guten Marktüberblick. Am Ende das Tages hoffen sie natürlich auch auf das beste Angebot. Und das möglichst einfach und schnell. Vergleichsportale wirken objektiv, verbraucherfreundlich und neutral. Eine Untersuchung des Bundeskartellamts zeigt: Das sind Werbeversprechen, die die meisten nicht einhalten.

Die Datenbanken der Vergleichsportale

Stell dir vor, du suchst einen neuen Stromanbieter. Du gibst bei einem Vergleichsportal die Rahmendaten ein und bekommst eine Liste mit Angeboten. Was du vielleicht nicht weißt: Die meisten Preisagenturen haben nur Angebote von Unternehmen in ihrer Datenbank, mit denen sie kooperieren. Bei Kaufabschluss bekommen sie eine Provision. Mit Ausnahme des Flugbereichs machen Provisionen 90 Prozent der Einnahmen von Vergleichsportalen aus.

Vergleichsportale im Netz: Eine Frau sitzt zweifelnd vor einem Laptop
Foto: Moyo Studios/iStock

Die Datenbank, aus dem der Algorithmus die Ergebnisse für dich zusammenstellt, ist also alles andere als vollständig. Sie beinhaltet nur einen kleinen Marktausschnitt, manchmal liegt der unter 50 Prozent.

Eine Datenbank für viele

Und es wird noch besser: Einige Unternehmen betreiben gleich mehrere Vergleichsportale oder kooperieren mit anderen. Die verschiedenen Seiten werden mit den gleichen Daten gefüttert und mit demselben Algorithmus bespielt.

Gleich mit Gleich vergleichen

Bedeutet für dich als User: Wenn du mehrere Tarifvergleichsportale nutzt, um unterschiedliche Angebote zu vergleichen, halte die Augen auf. Nur weil ein Angebot bei mehreren ganz oben auftaucht, heißt das noch nichts. Achte unbedingt darauf, ob du auf der Webseite Hinweise zu anderen Unternehmen entdeckst.

Wenn du dich zum Beispiel bei Preis24 zu deinem nächsten Handykauf informierst, kannst du das auch bei Verivox tun. Datensatz und Algorithmus sind identisch. Auch im Reisebereich gehören viele Vergleichsportale zusammen. Trivago und Expedia, zum Beispiel, sind Teil der Expedia Group. Booking.de und Kayak.de gehören zur Booking Holdings. 

Zusammengefasst: Die Datenbanken der einzelnen Vergleichsportale sind unvollständig. Außerdem greifen mehrere Portale auf ein- und denselben Datensatz zurück. Um einen vollständigeren Überblick zu bekommen, musst du Zeit für deine Recherche mitbringen. 

Algorithmus und Ranking

Mehr Schein als Sein, könnte man also meinen. So ist auch die Untersuchung des Bundeskartellamts zu verstehen.  Beim Thema Ranking jedenfalls gibt es deutliche Kritik von Seiten der Behörde. Denn wer wissen möchte, nach welchen Kriterien genau die Ergebnisliste zusammengestellt wird, der läuft ins Leere. Fakt ist: Algorithmen sind beeinflussbar. Sie können prinzipiell so programmiert werden, dass Angebote weiter oben landen, die für das Portal finanziell von Vorteil sind. 

Ergebnisliste? Geschäftsgeheimnis!

Der User wird bei den allermeisten Portalen nicht oder nur unzureichend darüber aufgeklärt, wie die Reihenfolge der Ergebnisliste zustande kommt. Als Begründung führen die Portale zum einen an, dass der Algorithmus ein Unternehmensgeheimnis sei. Bei Offenlegung entstünden ihnen Wettbewerbsnachteile. Zum anderen geben sie an, dass die Algorithmen so komplex seien, dass eine Offenlegung den Usern nichts bringe. 

Auch beim Thema „Werbung“ kommen die Portale in Bericht des Kartellamts nicht gut weg. Bezahlte Anzeigen oberhalb der Ergebnisliste und bezahlte Positionen innerhalb der Ergebnisliste machen Vergleichsportale alles andere als objektiv. Als User ist es manchmal schlicht nicht möglich nachzuvollziehen, ob die Ergebnisliste ein „echtes“ Suchergebnis liefert, oder ob einzelne Positionen innerhalb des Rankings erkauft wurden. Was also tun? Unser Rat: Augen auf bei der Nutzung! Mit unseren Tipps findest du das wirklich beste Angebot.

Tipps für die Nutzung von Vergleichsportalen

  1. Kriterien prüfen
    Prüfe, ob ein Portal angibt, nach welchen Kriterien die Ergebnislisten erstellt werden. Eine Sortierung nach dem Preis, zum Beispiel, ist besser als eine Sortierung nach dem Preis-Leistungs-Prinzip. Denn ein Ranking nach dem Preis kann man nur bedingt manipulieren. Anders beim „Preis-Leistungs-Prinzip“. Dabei ist alles möglich. Zum Beispiel auch, dass du mit deinem eigenen Klickverhalten die Reihenfolge des Rankings unbewusst bestimmst. 
  2. Ergebnisse sortieren
    Den Algorithmus kannst du vielleicht nicht beeinflussen, aber bei einigen Preisvergleichsportalen kannst du immerhin die Ergebnisliste nach deinen Vorstellungen filtern. Das solltest du auch unbedingt tun. Sortiere die Angebote mit individuellen Einstellungen um. Am besten mehrfach. Dadurch rutschen Angebote nach oben, die vorher nicht direkt sichtbar waren und du bekommst einen besseren Überblick.
  3. Bei Versprechen genau hinsehen
    Tiefpreisgarantie, Bestpreisangebot – viele Vergleichsportale locken mit vollmundigen Versprechen, die bei genauerem Hinsehen meist dann doch an bestimmte Konditionen geknüpft sind. Bestimmte Rabatte werden zum Beispiel erst erstattet, wenn ein Vertrag schon eine ganze Weile läuft. Oder du bekommst den Sonderrabatt erst 6 Monate nach deiner Reise ausgezahlt. Schau also genau hin.
  4. Preise gegenchecken
    Bevor du zuschlägst, empfehlen wir dir, einen Preisvergleich durchzuführen. Prüfe, welche Angebote beim Anbieter auf der Webseite selbst zu finden sind. Hol weitere Angebote ein und berechne auf jeden Fall den finalen Preis. Denn viele Vergleichsportale präsentieren im ersten Schritt besonders günstige Angebote, zu denen im Laufe des Buchungsprozesses dann noch weitere Komponenten hinzugekauft werden müssen. 
  5. Druckmittel ignorieren
    Du kennst das sicher: Während du auf einer Seite Angebote ansiehst, wird dir angezeigt, wie viele User sich das gleiche Angebot gerade auch ansehen. Oder du wirst in roter Schrift darauf hingewiesen, dass die Verfügbarkeit knapp ist. Oder dass das Angebot bald endet. Stay cool and keep calm. Das sind psychologische Druckmittel. Verkaufstricks, wenn du möchtest. Sehr wahrscheinlich findest du auf einer anderen Seite oder beim Anbieter selbst ein vergleichbares Angebot.
  6. Position 0 beachten
    Position 0, das ist eine Position, die oberhalb der Ergebnisliste steht. Für dich sieht sie so aus wie der erste Treffer deiner Ergebnissuche. In Wahrheit ist es aber bezahlte Werbung. Da Werbung gekennzeichnet werden muss, kannst du bei genauerem Hinsehen meist einen kleinen Schriftzug mit dem Wort „Anzeige“ entdecken. Aber einfach ist das nicht. Denn viele Tarifvergleichsportale gestalten Position 0 so, dass sie sich optisch in die Ergebnisliste einreiht.
  7. Gütesiegel prüfen
    Unabhängig, super professionell, zufriedene Kunden, exzellenter Service – viele Vergleichsportale werben mit Gütesiegeln und Zertifikaten. Nicht selten sind diese Siegel einfach vom Portal selbst gebastelt und stammen nicht von einer unabhängigen Prüfstelle. Und: Auch wenn das Gütesiegel echt ist – über den Algorithmus oder die Darstellung der Ergebnisse sagen die meisten von ihnen nichts aus. Sie beziehen sich auf limitierte Bereiche wie zum Beispiel die Servicequalität oder Funktionsweise der Seite. 

 

[1] Mehr dazu im Bericht Sektoruntersuchungen Vergleichsportale des Bundeskartellamts aus dem April 2019, Seite 44.

[2] Mehr dazu im Bericht Sektoruntersuchungen Vergleichsportale des Bundeskartellamts aus dem April 2019, Seite 2.