Podcast: Alles für lau? So nutzen Unternehmen deine Daten

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Was Unternehmen mit Nutzerdaten machen: Farbige Lichtspuren simulieren eine Datenspur
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Auf der Spur deiner Daten 

Möglicherweise hast du dich auch schon mal gefragt, was mit deinen Daten passiert, die du im Internet hinterlässt. Zum Beispiel mit deiner Adresse, die du beim letzten Online-Einkauf ins Adressfeld getippt hast. Oder mit den Daten, die dein Computer automatisch über dich preisgibt und von denen du vielleicht nicht immer etwas mitbekommst.

Wofür brauchen Unternehmen diese Daten? Wofür setzen Sie sie ein? Und vor allen Dingen: Wann nutzen Unternehmen meine Daten, ohne dass ich davon was mitbekomme?

Im Alltag haben wir oft nur wenig Zeit. Wir treffen an einem Tag viele Entscheidungen - in der analogen wie in der digitalen Welt.  So klicken wir oft einfach „ok“, ohne uns wirklich Gedanken darüber zu machen. Wir geben viele Daten preis, weil wir denken: „Ach komm, so schlimm wird es schon nicht sein. Ich habe nichts zu verbergen. Und die Cookie-Einstellungen anzupassen, das ist mir jetzt echt zu kompliziert.“ Das ist in ungefähr so, als ob wir im Supermarkt sagen würden: „5 Euro für ein Päckchen Butter? OK, wenn es sein muss... Die günstige Butter liegt viel zu weit hinten und ich habe es jetzt eilig.“ Daten sind eine Währung, mit der wir bezahlen. Aber warum ist das so?

Daten sind (viel) Geld wert

Daten sind viel Geld wert. Für werbetreibende Unternehmen und damit auch für Plattformen und Webseiten, auf denen Werbung geschaltet wird. Nehmen wir als Beispiel Facebook: Für viele ist das Netzwerk eine Plattform, um sich auf dem Laufenden zu halten und Kontakte zu pflegen. Aber Facebook ist mehr als nur ein soziales Netzwerk: Es ist vor allen Dingen eine Plattform für personalisierte Werbung. Es finanziert sich über die Werbung, die es seinen Usern anzeigt. Die Anzeigen werden von Unternehmen bezahlt. Und je mehr Daten Facebook über mich hat, desto passgenauer kann es mir Werbung anzeigen. Die Daten auswerten und die richtige Werbung schalten, das macht natürlich alles ein Algorithmus. „Nicht schlimm“, denkst du vielleicht, „dann kriege ich halt passende Werbung angezeigt. Ist doch besser als Werbung, die mich gar nicht interessiert.“ 

Datennutzung: Smartphone mit Icons für Snapchat, WhatsApp, Instagram und YouTube
Foto: Christian Wiediger/Unsplash

Unternehmen verdienen Geld mit dir

Stimmt. Und stimmt nicht. Verschiedene Studien zeigen: Unternehmen, die mit ausgefeilten Konzepten Kundendaten verwerten, verdienen mehr. Heißt: Sie verkaufen mehr. Auch an dich. Dein Klick- und Nutzungsverhalten verrät ihnen viel über dich.  Es kann sogar sein, dass Unternehmen wissen, dass du schwanger bist, bevor du es weißt.  Sie versorgen dich mit entsprechenden Produktvorschlägen, bevor du einen blassen Schimmer hast, warum dir jetzt gerade Werbung für Still-BHs angezeigt bekommst (so ähnlich wirklich passiert).

Carla Hustedt, Leiterin des Projekts "Ethik der Algorithmen" bei der Berstelsmann-Stiftung
Carla Hustedt, Projektleiterin
"Ethik der Algorithmen"
Foto: Kai Uwe Oesterhelweg

Also wie ist das jetzt mit der Datennutzung? Ist sie gut oder schlecht? Hilft sie vor allen Dingen den Unternehmen? Oder habe ich auch was davon? Und was machen die Unternehmen genau, wenn sie meine Daten erst einmal haben? 

Um der Sache auf den Grund zu gehen, hat Kai bei Carla Hustedt nachgefragt. Sie leitet das Projekt „Ethik der Algorithmen“ bei der Bertelsmann Stiftung. Gemeinsam mit ihrem Team zeigt sie auf, welche Wirkung algorithmische Systeme auf unsere Gesellschaft haben. Das ganze Interview kannst du im Podcast anhören.

Und darüber haben Carla Hustedt und Kai gesprochen:

  • Welche Zwecke verfolgen Unternehmen mit der Datensammlung?
  • Welche Daten sind für die Unternehmen interessant?
  • Welchen Nutzen habe ich als User davon, wenn Unternehmen meine Daten automatisch sammeln und auswerten?
  • Im englischen gibt es das Sprichwort „ There is no such thing as a free lunch” – So etwas wie ein kostenloses Mittagessen gibt es nicht. Trifft das auch auf das Thema Daten zu? Bezahlen wir alle vermeintlich kostenlosen Angebote immer mit unseren Daten?
  • Wo spielen Datensammlungen wieder ins "echte Leben" zurück - und was kann daran problematisch sein?
  • Wie müssten oder könnten Unternehmen Daten nutzen, damit es aus ethischer Perspektive ein fairer Deal für alle ist?
  • Wie kann ich mich als User schützen?

Hier kannst du dir den Podcast anhören:

Unser Fazit

Mit Daten und Datenspuren, die wir hinterlassen, geben wir immer Informationen über unser Verhalten preis. Das kann für uns nützlich sein, wenn wir so auf ein neues Buch oder einen coolen Song aufmerksam werden, die unseren Interessen und Vorlieben entsprechen. 

Aber wir sollten uns auch dagegen entscheiden können, permanent Details über uns preiszugeben. Wenn wir kein automatischer Datenspender sein wollen, sollte das nicht darin enden, dass wir von der Nutzung digitaler Anwendungen ausgeschlossen werden. So sehen wir das.

In der Praxis ist das schwierig, denn die Dominanz einiger weniger Konzerne führt dazu, dass uns oftmals wenig Auswahl bleibt. Wer mit seinen Freunden und seiner Familie in Verbindung bleiben möchte, für den führt mittlerweile kaum noch ein Weg an WhatsApp, Facebook und Co. vorbei. Datensparsame Messenger-Dienste haben es schwer, gegen WhatsApp anzukommen, weil schon so viele Menschen WhatsApp nutzen. Das führt dazu, dass wir Bedingungen akzeptieren, die wir so vielleicht eigentlich gar nicht wollen.

Dass Daten über uns gesammelt werden, lässt sich heutzutage kaum noch vermeiden. Aber was Unternehmen mit diesen Daten anstellen und welche Schlüsse wir als Gesellschaft aus großen Datenmengen erlauben möchten, das ist noch nicht in Stein gemeißelt. Wir als Verbraucherzentralen glauben, dass Unternehmen bislang zu viel Spielraum haben. Besonders, wenn es um Algorithmen geht, die mit sensiblen Daten gefüttert werden. Mehr dazu erfährst du im Artikel Sensible Daten – das solltest du wissen.